Referenten und Abstracts

Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Siechau, Stadtreinigung Hamburg

Begrüßung

Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Siechau ist seit 1995 Geschäftsführer der Stadtreinigung Hamburg. Seit 2007 ist er Sprecher der Geschäftsführung. Seit 2009 hält er als Dozent regelmäßig praxisnahe Vorlesungen über aktuelle Themen der Abfallwirtschaft an der Technischen Universität Hamburg-Harburg.

Fritz Horst Melsheimer, Präses der Handelskammer Hamburg

Begrüßung Handelskammer Hamburg

Fritz Horst Melsheimer ist Präses der Handelskammer Hamburg und Vorsitzender des Arbeitskreises Gesundheitheitswirtschaft und Vorsitzender der Hamburg School of Business Administration. Zudem ist er Vorstandsvorsitzender der HanseMerkur Versicherungsgruppe und des Finanzplatz Hamburg e.V., Aufsichtsratsvorsitzender der Hanse Orga AG sowie Mitglied des Börsenrates der Börse Hamburg, des Beirats der Deutschen Bundesbank in Hamburg, im Wirtschaftsrat der NORD/LB und im Landeskuratorium Hamburg/Schleswig-Holstein des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft. Weiterhin ist er Mitbegründer des Vereins
Gesundheitsmetropole Hamburg e.V.

Holger Lange, Staatsrat der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt

Begrüßung Freie und Hansestadt Hamburg

Der Schutz unserer Umwelt und unseres Klimas gehören zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Eine entscheidende Antwort darauf ist, mit unseren Ressourcen nachhaltig zu wirtschaften und unsere technischen Möglichkeiten für eine konsequente Abfallvermeidungsund Recyclingstrategie einzusetzen. Es gilt die verhängnisvolle Verknüpfung von Wachstum und Umweltschädigung zu durchbrechen. Dabei gibt es gerade im Bereich der Verwertung von Elektroschrott noch viel zu tun. Denn noch immer werden viel zu wenig alte Elektro- und Elektronikgeräte wieder verwendet oder einem hochwertigen Recycling zugeführt. Wertvolle Rohstoffe wie Gold, Palladium, Gallium oder Seltene Erden gehen uns dadurch verloren. Die Fachtagung Hamburg T.R.E.N.D. will die Ursachen dafür ergründen und die Potenziale des Wertstoffs Elektroschrott aufzeigen. Damit ist sie voll im Trend.

Prof. Dr. Martin Faulstich, CUTEC Institut, Technische Universität Clausthal

Vortragsthema: Elektroschrottrecycling in Zeiten teurer Rohstoffe – Eine wirtschaftspolitische Sicht

Die derzeitige Industriegesellschaft basiert mittlerweile auf rund 90 chemischen Elementen und damit fast auf dem gesamten Periodensystem der Elemente. Technologiemetalle und Seltene Erden, sogenannte wirtschaftsstrategische Rohstoffe, sind jedoch erschöpfbare Ressourcen, die nur endlich auf der Erde verfügbar sind. Diese Rohstoffe sind weltweit auf wenige Länder und wenige Unternehmen konzentriert und mit hohen, nicht eingepreisten Umweltbelastungen verbunden. Angebot und Nachfrage treffen sich zudem vielfach nicht mehr, weil es gar kein entsprechendes Angebot gibt. Sekundärrohstoffe werden damit immer stärker zu einer essenziellen Rohstoffquelle für zahlreiche Technologien. In gesättigten Märkten und bei weitgehend geschlossenen Stoffkreisläufen wird damit langfristig insbesondere der Elektronikschrott eine bedeutende Rohstoffquelle der Industriegesellschaft werden.

Franziska Müller, Deutsche Umwelthilfe e.V., Berlin

Vortragsthema: Elektroschrott: Recycling vs. Export

Jedes Jahr werden Millionen Elektro- und Elektronikgeräte verkauft. Dabei werden die Lebenszyklen immer kürzer, an deren Ende die Entsorgung steht. Durch ein hochwertiges Recycling können Wertstoffe zurückgewonnen und Schadstoffe umweltgerecht entsorgt werden. Allerdings ist die Sammelmenge von Elektro- und Elektronik-Altgeräten noch zu niedrig. In Zeiten knapper Ressourcen ist ein Umdenken dringend geboten. Jährlich werden viele Tonnen Altgeräte illegal in Entwicklungs- und Schwellenländer exportiert. Damit gehen einerseits der deutschen Wirtschaft wertvolle Rohstoffe verloren, andererseits stellen die enthaltenen Schadstoffe bei unsachgemäßer Behandlung in den Exportländern eine hohe Gesundheitsgefährdung sowie Luft- und Bodenbelastung dar.

Prof. Dr. Hartmut Graßl, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg

Vortragsthema: Die Abfalllawine und ihre Vermeidung – das gilt auch für den Elektroschrott

Die Menschheit dominiert immer mehr Elementkreisläufe und der Abfall ihrer Aktivitäten ist das größere Problem als die Verfügbarkeit der Rohstoffe. Auch das Recycling ist nur eine Teillösung. Unser Abfall sollte wie in der Natur langfristig zum Nährstoff werden, denn erst dann ist echte Nachhaltigkeit erreicht. Während Deutschland bereits ein Viertel der Treibhausgasemissionen (ca. 250 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr) gegenüber 1990 bei 28 % Zunahme des Bruttoinlandsproduktes vermeidet, wächst die Elektroschrottmenge besonders rasch an. Wird die neue, revidierte EU-Richtlinie zu Elektroschrott helfen eine ähnliche Erfolgsgeschichte zu präsentieren? Schritte dorthin werden, z. B. für Solarzellen, skizziert.

Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover

Vortragsthema: Seltene Erden – Vorkommen und Produktion heute und morgen

Die Gruppe der Seltenen Erden (SE) umfasst 17 Elemente, von denen die meisten nicht selten sind, aber in zahlreichen der sog. Zukunftstechnologien Verwendung finden. SEMinerale wurden früher in vielen Ländern gefördert, seit den 1990er-Jahren dominiert jedoch China die Produktion, das im Jahr 2011 95 % der weltweiten Produktion ausweisen konnte. Die seit einigen Jahren intensiv geführte Diskussion über die zukünftige Versorgung mit SE hat zur Erkundung von SE-Vorkommen in aller Welt geführt. Gegenwärtig sind 442 SE-Projekte durch 260 Firmen in 37 Ländern außerhalb Chinas bekannt. Bei derzeitiger Nachfrage würden die bereits jetzt festgestellten Reserven für 274 Jahre, die Ressourcen sogar für einen weit längeren Zeitraum reichen.

Prof. Dr. Thomas Jüstel, Fachhochschule Münster

Vortragsthema: Einsatzbereiche Seltener Erden in der Licht- und Elektrotechnik

Die Metalle Sc, Y, La sowie Ce-Lu sind unter dem Namen Seltene Erden bekannt geworden und in den letzten Jahrzehnten zu unverzichtbaren Bausteinen der Hightechindustrie mutiert. Der weltweite Bedarf an Seltenen Erden betrug 2010 etwa 136.000 t, was in etwa einer Verzehnfachung seit 1970 entspricht. Diese enorme Entwicklung ist den besonderen elektronischen, optischen und magnetischen Eigenschaften dieser Elemente geschuldet. Im Vortrag wird anhand ausgewählter Beispiele gezeigt, welche enorme Bedeutung die Seltenen Erden in der Licht- und Elektrotechnik inzwischen erlangt haben. Zudem wird die Ursache für deren Erfolg aufgrund ihrer elektronischen Eigenschaften abgeleitet und diskutiert, ob und wieweit Seltene Erden durch andere Metalle ersetzt werden könnten.

Michael Westhagemann, Siemens AG, Hamburg

Vortragsthema: Nachfrage und Marktstrukturen national und international


Die „Seltenerdmetalle“ kommen hauptsächlich in China, Russland, USA und Indien vor. Die Gewinnung – einige davon sind giftig – erfolgt über ihre Chlorid- oder Fluorid-Verbindungen. Dies bedeutet besondere Herausforderungen für den Umweltschutz. Seltene Erden werden unter anderem eingesetzt für Magneten in Elektrogeräten, Festplattenlaufwerken, Kernspintomographen und in der Teilchenphysik. Sie kommen außerdem in Spezialgläsern und Polituren zum Einsatz. Die Erzeugerländer beschränken den Export der Seltenen
Erden, China zum Beispiel auf 30.000 Tonnen p.a. Die Bundesregierung versucht, mit internationalen Handelsabkommen, Seltene Erden für die deutsche Industrie zu sichern. IVH-Position: Für unseren Industriestandort wäre die Weiterentwicklung von Verfahren zur Rückgewinnung der Seltenen Erden von großem Vorteil.

Dr. Ralf Petry, Merck KGaA, Darmstadt

Vortragsthema: Anwendung der Seltenen Erden in LED-Leuchtstoffen

Die Zukunft moderner Leuchtmittel liegt in der Technologie von leuchtstoffkonvertierten LEDs (pc-LEDs), da diese Leuchtmittel verschiedene Vorteile vereinen. Dazu gehört neben der hohen Energieeffizienz und langen Lebensdauer auch die Abwesenheit gesundheitsschädlicher Bestandteile. Dies führt zu einer zunehmenden Substitution von Glühlampen aber auch von kompakten Fluoreszenz-Leuchtstofflampen. Seltenerd-basierende Leuchtstoffe
sind dabei eine Schlüsselkomponente von pc-LEDs. Neben der funktionsweise von pc-LEDs werden wichtige Seltenerd-enthaltende LED-Leuchtstoffmaterialien und deren Einfluss auf die Lichtqualität von LED-Leuchtmitteln beschrieben.

Kristine Sperlich, Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau

Vortragsthema: Elektroschrottaufkommen und -zusammensetzung in Deutschland und Europa

Die neue Richtlinie 2012/19/EU über Elektro- und Elektronik-Altgeräte wurde am 24. Juli 2012 im Amtsblatt der Europäischen Union verkündet (ABl.EU Nr. L 197/38). Aus ökologischer Sicht ist wesentlich, dass gegenüber der alten Richtlinie 2002/96/EG unter anderem höhere Zielsetzungen für die Sammlung von Altgeräten festgelegt wurden. Wo ist also der Stand in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten und wie anspruchsvoll erscheinen die nun formulierten neuen Ziele? Am Beispiel Deutschland wird diskutiert, wie Optimierungspotenziale in der Datenerfassung und in der Erfassung von Elektroaltgeräten eröffnet und geregelt werden können.

Sven Winterberg, Stadtreinigung Hamburg

Vortragsthema: Erfassungssysteme – Vergleichende Analyse und Bewertung

Die SRH nutzt verschiedene Systeme der E-Schrotterfassung. Der Vortrag stellt die Haupterfassungssysteme über die Recyclinghöfe und das Sperrmüllholsystem vor und gibt dazu einen Funktions- und Mengenüberblick. In 2012 hat die SRH in Modellversuchen verschiedene haushaltsnahe E-Schrotterfassungen getestet die vorgestellt werden. Die unterschiedlichen Erfassungssysteme werden dann einer vergleichenden Analyse und Bewertung unterzogen. Abschließend erfolgt ein Ausblick über Anwendungsmöglichkeiten in Hamburg.

Jörg Schunicht, Tomra Sorting Solutions/TITECH, Mülheim-Kärlich

Vortragsthema: Produkte des E-Schrottrecyclings – Aufbereitungsverfahren, Produktzusammensetzung und verfügbare Mengen

Die Recyclinganlagen für sog. E-Schrotte sind verfahrenstechnisch und konzeptionell auf eine oder mehrere Inputkategorien der WEEE-Direktive ausgelegt und spezialisiert. Die Aufbereitung erfolgt i.d.R. getrennt nach Gerätetypen bzw. -kategorien wie Fernseher und Monitore, Kühlgeräte, Batterien, Lampen und Leuchtkörper, IT-Geräte und Kleingeräte (Haushaltsware) sowie Großgeräte. Aktuell ist zu beobachten, dass Anlagen als trockenund/ oder nassmechanischer Prozess modular aufgebaut werden um die heterogenen Materialien effizienter verarbeiten zu können, oder um diese für einen Chargenbetrieb zu nutzen. Neben einer Verbesserung der Feinkornaufbereitung ist der Trend, Eisen, Aluminium, Kabel, Kupfer, Platinen und Kunststoffe in höherer Sortenreinheit herzustellen.

Dr. Michael Landau, Aurubis AG, Hamburg

Vortragsthema: Märkte und Marktstrukturen für Elektro- und Elektronikschrotte

Der europäische Markt für WEEE ist seit vielen Jahren etabliert, war und ist aber vielen Veränderungen unterworfen. Standen bis 1990 vor allem die Reduzierung des Schadstoffpotenzials der alten E-Geräte im Fokus, so wird heute vor allem der Rohstoffaspekt betont. Die WEEE-Direktive aus Brüssel stellt das erste umfassende Regelwerk zur Sammlung und zum Recycling einer bestimmten Produktgruppe in der EU dar. Sie hat auch weltweit Bedeutung und wird gern als Grundlage für eine eigene Gesetzgebung verwendet. Der Anstoß, der durch diese Verordnung gegeben wurde, führte in Europa einerseits zu einem beispiellosen Aufbau von hoch effizienten und umweltgerechten Recyclinganlagen, andererseits wecken stetig steigende Metall- und Edelmetallpreise seit einigen Jahren die Begehrlichkeit für diese Altgeräte.

Dr. Volker Zepf, Universität Augsburg

Vortragsthema: Seltene Erden – eine ressourcengeographische Betrachtung

Die Ressourcengeographie ist ein junges Forschungsfeld, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Hier geht es dabei um die Analyse der Seltenen Erden in Raum und Zeit. Während der Abbau dieser Stoffe noch an wenigen Orten der Welt erfolgt, verzweigt sich die Weiterverarbeitung und Nutzung der Rohstoffe über die ganze Welt. Die Produktpalette ist immens, da es sich um insgesamt 17 verschiedene Elemente handelt. Die Primärproduktion der Seltenen Erden ist generell bekannt; allerdings gibt es kaum Informationen zu den Mengen, die in den unterschiedlichen Produkten eingesetzt wurden und werden. Folglich ist auch die Bewertung der Wirtschaftlichkeit einer Sekundärgewinnung (Recycling) problematisch. Im Vortrag werden quantitative Ergebnisse meiner Dissertation vorgestellt.

Prof. Dr. Marian Paschke, Universität Hamburg

Vortragsthema: Märkte, Marktstrukturen, Akteure und deren internationale Verflechtungen

Der Rohstoffsektor erlebt in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts signifikante Veränderungen. In den BRIC-Staaten werden vor allem seit der Jahrtausendwende Rohstoffe in stetig steigender Zahl und Menge nachgefragt; in den Industriestaaten hat diese historisch neue Entwicklung zur Verknappung und Verteuerung zahlreicher Rohstoffe beigetragen. Die Schwellen- und Entwicklungsländer haben nicht zuletzt in den Verhandlungen der Doha-Runde um die Weiterentwicklung der Welthandelsorganisation WTO deutlich artikuliert, Rohstoffexploration und -verwertung in ihren Ländern künftig zu geänderten, für sie vorteilhafteren wirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen vornehmen bzw. zulassen zu wollen. Exportrestriktionen verschiedener Länder beeinträchtigen zunehmend den Zugang der Industriestaaten zu Rohstoffen. Die Präsentation skizziert die aktuellen Entwicklungen in den Märkten und der Politik, die Reaktionen auf die Panel-Entscheidungen der WTO sowie die Reaktionen der Marktakteure.

Dr. Jesco Kreft, Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik

Vortragsthema: Elektrorecycling – eine ethische Risikoanalyse

Jährlich nimmt die Zahl an ausrangierten Elektroaltgeräten zu. Trotz einer ausdifferenzierten europäischen Regelungsstruktur durchläuft ein großer Anteil nicht das formelle Sammelsystem, sondern landet häufig in Afrika oder Asien. Dies führt zu einer für Mensch und Umwelt äußerst bedenklichen Situation in den Empfängerstaaten, wie eine ethische Risikoanalyse entlang der Wertschöpfungskette zeigt. Die Gründe für die fehlende Wirksamkeit der gesetzlichen Bestimmungen liegen in einigen Schwachstellen des Kontroll und
Sanktionsapparats, vor allem aber in einer ökonomischen Anreizstruktur, die den gesetzlichen Vorgaben zuwiderläuft sowie in der schwer zu ziehenden Grenze zwischen legalem Gebrauchtwaren- und illegalem Elektroschrottexport. Problematisch ist diese Konstellation, da sie aufgrund der Grauzonen und fehlender Transparenz einen Nährboden für Korruption darstellt.

Dr. Stefan Lübben, Stadtreinigung Hamburg

Vortragsthema: Entwicklung des Schlackerecyclings am Beispiel der MVA

Alles, was der Mensch an inerten Materialien in den Abfall wirft, bleibt auch nach der Müllverbrennung erhalten. Schon vor über 100 Jahren hat man die eisernen Bestandteile aus der Verbrennungsasche herausgesammelt und wiederverwertet. Die Technik für die Eisenabtrennung wurde immer weiter verfeinert. Da die Nichteisenmetalle im Vergleich zum Fe-Schrott einen deutlich höheren Marktwert haben, begann man vor wenigen Jahrzehnten mit der Abtrennung auch dieser Metalle aus der Schlacke. Durch verbesserte Abscheidungstechnologien kann der Anteil der zurückgewonnenen Fe- und NE-Metalle deutlich gesteigert werden. Die Entwicklung dieser Technologie seit Beginn der industriellen Müllverbrennung Ende des 19. Jahrhunderts wird vorgestellt.

Dr. Karsten Wambach, Consulting, Oberschöna

Vortragsthema: Recycling von Solarmodulen und Solarzellen

Bis Ende 2012 wurden mehr als 36 GWp photovoltaische Module alleine in Deutschland installiert. Der überwiegende Anteil zur Verwertung anstehender Module kommt aus Transport- und Montageschäden sowie aus Produktionsausschuss. Solarmodule fallen neuerdings unter die europäische WEEE-Richtlinie, die bis Februar 2014 in nationales Recht umgesetzt werden muss. Für das Recycling der Module wurden eine ganze Reihe Verfahren entwickelt, jedoch wegen des geringen Abfallaufkommens noch nicht technisch umgesetzt. Ein großer Teil der heutigen Modulabfälle wird nach Entfernen von Rahmen und Kabeln in Verbundglasrecyclinganlagen bearbeitet. Die Recyclingquote liegt dabei zwischen 80 und 90 % des Inputs. Im Vortrag werden neben den heutigen Verfahren auch neuere Entwicklungen zum Recycling mit verbesserter Qualität vorgestellt.

Dr. Jörg Woidasky, Hochschule Pforzheim

Vortragsthema: Recycling von Windkraftanlagen

In Deutschland werden derzeit über 22.500 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 30 GW betrieben. Diese Anlagen decken derzeit etwa 10 % des Nettostromverbrauchs in Deutschland ab. Der Einsatz von Verbundwerkstoffen aus duroplastischen Polymeren, Glas- oder Carbonfasern insbesondere für die Gondeln und die Rotorblätter ermöglicht immer größere und leistungsfähigere Anlagen. Gleichzeitig werfen diese Werkstoffe jedoch mit Blick auf ihre Verwertbarkeit Fragen auf, da derzeit weder die Infrastruktur noch die Verfahren für hochwertige Ansätze zur Kreislaufführung existieren. Der Vortrag beschreibt hier Herausforderungen und entsprechende Lösungsansätze.

Dr. Friedhelm Schöne, Duesmann und Hensel Recycling GmbH, Aschaffenburg

Vortragsthema: Recycling von Katalysatoren“

Automobilabgaskatalysatoren sind seit Jahren der bedeutendste Markt für die Edelmetalle Platin, Palladium und Rhodium. Am Ende des Lebenszyklus eines Fahrzeuges werden diese Katalysatoren zum wesentlichen Teil dem Recycling zugeführt und bilden heute den weltweiten größten Markt für die Wiedergewinnung dieser Metalle der Platingruppe. In dem Vortrag werden die Aufarbeitungstechnologien vorgestellt sowie Märkte und Marktmechanismen weltweit an Beispielen erläutert.

Andreas Habel, bvse – Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V., Bonn

Vortragsthema:  E-Schrottrecycling – Ökonomische Gegebenheiten und Perspektiven

Der Bedarf an Rohstoffen für zukunftsträchtige Industrieanwendungen wächst weltweit dramatisch an. Versorgungsengpässe sind nur eine Frage der Zeit. Neue Lösungen als Alternative zu kostspieligen Rohstoffimporten sind gefragt. Das Recycling von Elektro(nik)- Altgeräten ist in diesem Zusammenhang eine gute Alternative. Doch die hiesige Recyclingwirtschaft kämpft gegen eine Vielzahl von Schwierigkeiten. So kommt ein Großteil der E-Schrottmengen erst gar nicht bei den spezialisierten Anlagen an, weil bürgernahe Erfassungssysteme fehlen und Schlupflöcher in billige Entsorgungswege weiterhin bestehen. Des Weiteren scheitern intelligente Projekte für die Rückgewinnung seltener Industriemetalle heute noch an ökonomischen Hürden.

Dr. Matthias Buchert, Öko-Institut e.V., Darmstadt

Vortragsthema: E-Schrottrecycling – Eine ökologische Bewertung

E-Schrottrecycling kann einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Die hohen Umweltentlastungspotenziale durch das Recycling diverser Metalle und anderer Materialien können jedoch nur erschlossen werden, wenn auf allen Stufen der Recyclingkette – Sammlung, Vorbehandlung und Refining – gute Erfassungs- und Rückgewinnungsraten für die Wertmaterialien erzielt werden. Dies ist wichtig sowohl für das E-Schrottrecycling in Industrieländern als auch für Schwellen- und Entwicklungsländer, die mit stark wachsenden E-Schrottmengen konfrontiert sind. Der Vortrag gibt einen Überblick über die ökologischen Vorteile und Potenziale des E-Schrottrecyclings anhand anschaulicher Beispiele.

Prof. Dr. Michael Bräuninger, Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI)

Vortragsthema: E-Schrottrecycling – Marktstrukturen und Marktvolumina heute und morgen

Betrachtet werden Prognosen für das zukünftige Aufkommen von Elektroschrott in Hamburg. Dazu wird zunächst über den Absatz das Abfallpotenzial geschätzt. Für die Prognosen werden unterschiedliche Datenquellen herangezogen. Bei der Unterhaltungs- sowie IT- und Telekommunikationselektronik werden die Daten der gfu und der EITO verwendet. Bei der Haushaltselektronik wird auf die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze zurückgegriffen. Außerdem können die Ausgaben der Hamburger Haushalte für einzelne Güter auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe berechnet werden. Für die Umrechnung von Stückzahlen bzw. Ausgaben auf Gewichte wird die Statistik der „Stiftung Elektro- Altgeräte Register (ear)“ herangezogen.

Prof. Dr. Kerstin Kuchta, Technische Universität Hamburg-Harburg

Vortragsthema: E-Schrottrecycling – Eine Zukunftsvision

Der Mangel an seltenen Metallen, ohne welche Hightech-Produkte wie Handys oder Elektroautos nicht mehr auskommen, belastet die deutsche und europäische Wirtschaft. Parallel führen technologische Innovationen zu immer kürzeren Nutzungszyklen von elektrischen und elektronischen Geräten und schaffen so die Abfallressource E-Schrott. Zwar werden Gold, Silber und Kupfer regelmäßig aus E-Schrott zurückgewonnen, die Rückgewinnung anderer Metalle, eine hohe Effizienz oder die Konkurrenzfähigkeit mit der chinesischen Produktion sind heute noch Gegenstand breiter Forschungen. Die technischen Ansätze reichen von manueller Demontage mit direkter Wiederverwendung bis zur Extraktion und elementarer Rückgewinnung in metallurgischen Prozessen. Eine Pauschallösung für E-Schrott wird es wohl nicht geben, favorisiert wird aktuell eine Kombination spezifisch angepasster Prozesse.