Referenten und Abstracts

Hier finden Sie alle Referenten von Hamburg T.R.E.N.D. 2016 mit Kurzporträt.

Das Vortragsthema „Rolle der Sammelsysteme in der Stadtplanung“ von Michael Rink (Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen der Freien und Hansestadt Hamburg) ist ausgefallen, da der Referent kurzfristig vehindert war und daher nicht zur Veranstaltung erscheinen konnte.

Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Siechau, Stadtreinigung Hamburg

Begrüßung

Prof. Dr. Rüdiger Siechau ist seit 1995 Geschäftsführer der Stadtreinigung Hamburg und seit 2007 Sprecher der Geschäftsführung der SRH. Seit 2009 hält er als Dozent regelmäßig praxisnahe Vorlesungen über aktuelle Themen der Abfallwirtschaft an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Zusätzlich ist er seit 2013 als National Member Representative im Board der International Solid Waste Association (ISWA).

Tobias Knahl, Handelskammer Hamburg

Begrüßung Handelskammer Hamburg

Tobias Knahl leitet die Abteilung Industrie, Energie, Umwelt der Handelskammer Hamburg. Dabei ist er u. a. Geschäftsführer der Handelskammer-Ausschüsse für Industrie & Energie sowie für Umwelt, koordiniert die energie-politischen Aktivitäten der norddeutschen Kammervereinigung IHK Nord und ist stellv. Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Lebensraum Elbe. Herr Knahl ist 1974 in Freiburg im Breisgau geboren und hat Diplom-Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz sowie in Toronto und St. Petersburg studiert.

Jens Loschwitz, BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V., Berlin

Vortragsthema: „Quote versus Qualität“ – aus Sicht der privaten Abfallwirtschaft

Quoten finden wir auf allen Ebenen der Kreislaufwirtschaft, im Kreislaufwirtschaftsgesetz ebenso wie in der europäischen Abfallrahmenrichtlinie. Das Elektrogesetz kennt sie ebenso wie die Gewerbeabfallverordnung. Quoten geben zunächst Auskunft über Quantitäten, so dass es opportun scheint, Quoten und Qualität gegeneinander auszuspielen. In Bezug auf die Wertstoffwirtschaft ist gelegentlich von einem Quotenzauber die Rede. Unterstellt wird dabei, dass die nachmessbaren Erfolge der Kreislaufwirtschaft lediglich auf Berechnungsmethoden beruhen. Das ist natürlich Unfug. Über Quoten werden keine Qualitäten erreicht, hierfür müssen andere Instrumente gefunden werden. Allzu oft ist die Stimmungsmache gegenüber Quoten Ausdruck des Bemühens, dass möglichst alles bleiben soll wie es ist. Wir brauchen beides: mehr und besseres Recycling.

Dr. Holger Thärichen, Verband kommunaler Unternehmen e. V. Abfallwirtschaft und Stadtreinigung VKS, Berlin

Vortragsthema: „Quote versus Qualität“ – aus Sicht der kommunalen Abfallwirtschaft

Dr. Holger Thärichen war von 2007 bis 2012 Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Abfallrecht / Abfallwirtschaft in der Berliner Anwaltskanzlei Gaßner, Groth, Siederer & Coll. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin und den juristischen Staatsprüfungen folgte 2003 die Promotion zum Doktor des Rechts zum Thema „Öffentliche Interessen im Abfallrecht“. Es folgten Tätigkeiten als wissenschaftlicher Angestellter im Umweltbundesamt (Berlin) und als Rechtsanwalt in einer umweltrechtlich spezialisierten Berliner Anwaltskanzlei. Von 2001 bis 2006 war er als Jurist mit Schwerpunkt Umweltrecht im Stabsbereich Grundsatzfragen/Recht und im Vorstandsbüro der Berliner Stadtreinigungsbetriebe tätig. Ab 2006 war Dr. Holger Thärichen zudem Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Seit Februar 2012 obliegt ihm die Geschäftsführung der Sparte Abfallwirtschaft und Stadtreinigung VKS im Verband kommunaler Unternehmen  e. V.

Dr. Rainer Cosson, BDSV Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling und Entsorgungsunternehmen e. V., Düsseldorf

Vortragsthema: „Quote versus Qualität“ – aus Sicht des Metallrecyclings

Die 90-Prozent-Quote für Wiederverwertung und Recycling von Fe-Metallen und Aluminium laut ArbE-WertstoffG dürfte keine Herausforderung darstellen. So hat die letztverfügbare GVM-Studie eine Recyclingquote für Weißblech von 96,5 % und für Aluminium für 90,2 % erbracht – Spitzenwerte unter allen Verpackungsmaterialien. Allerdings ist die Substitution von Metall- zu Kunststoffverpackungen immer noch nicht zum Stillstand gekommen – ungeachtet der überlegenen Recyclingeigenschaften von Fe-Metallen und Aluminium.
Für die Metallrecyclingwirtschaft letztendlich entscheidender ist, welche Organisationsform das Wertstoffgesetz vorgeben wird. Der Arbeitsentwurf sieht die Fortführung einer privatrechtlichen Organisationsform ohne öffentlich-rechtliche Überlassungspflichten vor. Hier kann sich die Metallrecyclingwirtschaft mit ihren gewerblichen Sammlungen weiterhin entfalten. Bei dem „Ländermodell“ mit kommunaler Sammelverantwortung wird dies nicht mehr der Fall sein.

Eric Rehbock, bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V., Bonn

Vortragsthema: „Quote versus Qualität“ – aus Sicht des Kunststoff- und Altpapierrecyclings

Mehr Recycling ist machbar! Wir wollen in Deutschland mehr Recycling als bisher. Das setzt aber voraus, dass wir mehr Sekundärrohstoffe als bisher generieren, damit sie in den industriellen Wertschöpfungsprozess eingespeist werden können. Dafür benötigen die Sekundärrohstoff- und Recyclingunternehmen Rahmenbedingungen, die ein faires Marktgeschehen gewährleisten. Wir wenden uns deshalb gegen private sowie kommunale Monopole oder Oligopole – weder im Bereich der Sammlung, der Sortierung oder dem Recycling. Dazu gehört, gerade für den Bereich des Altpapiers, aber auch für andere Stoffströme, dass gewerbliche Sammlungen nicht untersagt oder behindert werden. Gewerbliche Sammlungen eignen sich ideal für eine qualitativ hochwertige Rohstoffgewinnung und sollten gerade deshalb gefördert werden. Wir sind auch der Ansicht, dass dem Kunststoffrecycling der Rücken gestärkt werden muss. Daher sind wir für ein Wertstoffgesetz mit höheren Recyclingquoten, damit mehr gebrauchte Kunststoffe, die bisher im Restmüll landen, dem Recycling zugeführt werden können.

Markus Müller-Drexel, INTERSEROH DienstleistungsGmbH, Köln

Vortragsthema: Verpackungen im Spannungsfeld von dualen Systemen

Mit den Bedürfnissen von Konsumenten wächst auch der Verpackungsverbrauch. Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 14,2 Mio. Tonnen Verpackungen in Verkehr gebracht und verbraucht, wovon 11,3 Mio. Tonnen verwertet wurden. Der Schlüssel zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen liegt sowohl in der Abfallvermeidung und -reduzierung als auch in der Nutzung der im Abfall enthaltenen Wertstoffe. Auch die Nachfrage nach hochwertigen Sekundärrohstoffen wächst stetig und führt zu einem zunehmenden Wettbewerb im Verpackungsrecycling. Eckpunkte des Vortrages sind neben den Effekten des Wettbewerbs dualer Systeme die Produktverantwortung als tragendes Prinzip, um Wertstoffe einem sinnvollen Wertstoffkreislauf zuzuführen: Ziel ist, ein hochwertiges, effizientes Recycling und eine einheitliche Wertstofferfassung zu erreichen.

Dr. Monika Kaßmann, Deutsches Verpackungsinstitut e. V. (dvi), Berlin

Vortragsthema: Möglichkeiten der Verpackungsgestaltung und -produktion

Verpackungen sind wesentliche Voraussetzungen für den Schutz der Ware, eine rationelle Distribution bis zum Endverbraucher sowie für Information und Werbung. Um diese Aufgaben bestmöglich zu erfüllen, werden sie entworfen und hergestellt. In der öffentlichen Wahrnehmung werden sie jedoch häufig nur aus der Sicht ihres letzten Lebensabschnittes, als Abfall, betrachtet und sind Gegenstand der Kritik. Obwohl Verpackungsabfälle in Deutschland nur mit ca. 5 % am Müllaufkommen beteiligt sind, werden sie infolge ihrer massenhaften Verbreitung und begrenzten Nutzungsdauer bereits seit 1991 als Prüfstein für die Durchsetzbarkeit der Grundsatzforderungen der Verpack-V und später des KrWG genutzt. Einsparung von Verpackungsaufwand, die Erzielung eines hohen Wiederverwendungsgrades von Verpackungen sowie deren optimales Recycling sind aus der Sicht der Materialressourcen sinnvoll und notwendig, es darf jedoch nicht zu Lasten der Funktionserfüllung der Verpackung gehen.

Jochen Curth, CURTH+ROTH – excellent market research, Hamburg

Vortragsthema: Verpackungsvielfalt aus Konsumentensicht

Der Vortrag beleuchtet die ambivalenten Bedürfnisse von Verbrauchern hinsichtlich Produktverpackungen. Wie kann es Herstellern in diesem Spannungsfeld gelingen, die Hauptfunktionen, effektiver Produktschutz und effektive Produktkommunikation so zu gestalten, dass ökologische Aspekte nicht nur berücksichtigt werden, sondern sogar verkaufsfördernd wirken.

Torsten Meyer, mtm plastics GmbH, Niedergebra

Vortragsthema: Verpackungen – Sortierung, Qualität, Verwertung und Absatzmärkte

Die Verwertung von Kunststoffverpackungen ist weit entwickelt. Prinzipiell lassen sich daraus Re-Polyolefine herstellen, die von guter und konstanter Qualität sind und ihren Absatzmarkt finden. Die Nachfrage aus der kunststoffverarbeitenden Industrie nach solchen Re-Granulaten ist größer als das Angebot. Jedoch hat in den letzten Jahren die Qualität des Inputs in die Verwertung immer mehr nachgelassen. Die Nachfrage nach Re-Granulaten lässt sich mit Kunststoffverpackungsabfällen immer weniger bedienen, sodass Verwerter nach anderen Stoffströmen Ausschau halten (müssen). Die verminderte Qualität hängt teilweise mit marketinggetriebenen Designentscheidungen zusammen, die eine qualitätsorientierte Sortierung erschweren. Darüber hinaus provoziert der aktuelle gesetzliche Rahmen mit zu niedrigen Recyclingquoten ein ungünstiges Marktverhalten.

Dr. Martin Mineur, Müllverwertung Borsigstraße GmbH, Hamburg

Vortragsthema: Beitrag der thermischen Abfallverwertung zum Recycling

Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass Müllverbrennungsanlagen Recycling verhindern. Dabei wird übersehen, dass in modernen Müllverwertungsanlagen tatsächlich in nennenswertem Maße aus dem Müll bestimmte Fraktionen ausgeschleust werden, die hochwertig stofflich verwertet und damit recycelt werden. Dabei entstehen sogar Produkte, die dem Markt wieder zugeführt werden können. Zudem wird durch die Nutzung des energetischen Potenzials des Mülls ein beachtlicher Beitrag zum Ressourcenschutz geleistet, der dabei hilft, den Einsatz fossiler Energie zurückzudrängen. Wie die Erfahrung zeigt, kommt kein Recyclingkonzept ohne eine Backuplösung wie die thermische Abfallverwertung aus. Nur so ist gewährleistet, dass im Sinne einer Nierenfunktion für das Recycling ungeeignete Stoffe ausgeschleust und die im Abfall enthaltenen Schadstoffe sicher und umweltfreundlich behandelt werden und sich nicht in den Produkten anreichern.

Prof. Dr. Kerstin Kuchta, TUHH - Technische Universität Hamburg-Harburg

Vortragsthema: Kein Widerspruch: Verbrennung und Recycling von Metallen

Der direkt bestimmbare Metallgehalt im Restabfall ist über die letzten 15 Jahre durchschnittlich von 5 % auf 2 % gesunken. Gleichzeitig ist die technische Entwicklung der praktizierten Rostaschenaufbereitung heute weit über den Entwicklungsstand der in 2006 definierten besten verfügbaren Technik fortgeschritten und die Rückgewinnungsquote der Metalle liegt im Mittel bei 76 % (mindestens 90 % für FE und 56 % für NE Metalle). Gleichzeitig gibt es keine Rostasche mehr, welche ohne Aufbereitung und Metallabtrennung verwertet
oder deponiert wird. Die rückgewonnenen Metallfraktionen aus der Rostasche sind dabei in der Regel qualitativ hochwertiger als die aus Wertstoffgemischen abgetrennten Metallfraktionen. Auf der Basis der aktuellen Studien sind keine Hinweise erkennbar, dass eine mechanische Aufbereitung von Wertstoffgemischen Vorteile vor der Verbrennung in Bezug auf die Metallrückgewinnung oder auf Treibhausgasemissionen aufweist.

Dr. Stefan Lübben, Stadtreinigung Hamburg

Vortragsthema: Schlacke als Quelle für mineralische Baustoffe

In Hamburg werden jährlich ca. 160.000 Mg Müllverbrennungsschlacke erzeugt, welche bislang als Ersatzbaustoff vermarktet werden. Aufgrund steigender Anforderungen an den Baustoff hinsichtlich der Metallgehalte und der Salzeluierbarkeit wird die Vermarktung zusehens schwieriger. Die Stadtreinigung Hamburg arbeitet daher an alternativen Verwertungsmöglichkeiten. Im BMBF-Projekt „OPTIMIN“ wird unter Koordination der Stadtreinigung Hamburg von 2016 bis 2018 an der Entwicklung von geeigneten Aufbereitungsverfahren für die Schlacke gearbeitet, um künftig Teilströme gezielt als Baustoffkomponente in der Beton-, Asphalt- und Zementindustrie nachhaltig und hochwertig verwerten zu können.

Dr. Martin Lebek, REMONDIS Aqua GmbH & Co. KG, Lünen

Vortragsthema: Phosphorrecycling aus Klärschlammasche in Hamburg – das REMONDIS TetraPhos®-Verfahren

Phosphor ist wegen seiner essenziellen Bedeutung im Nähr- und Energiestoffwechsel einer der wichtigsten Bausteine des Lebens auf der Erde. Im Gegensatz zu vielen anderen Rohstoffen kann Phosphor nicht durch alternative Elemente oder Verbindungen ersetzt werden. Europa verfügt über keine nennenswerten natürlichen Vorkommen und ist somit vollständig von Importen abhängig.
In Klärschlammaschen kommunaler Kläranlagen reichert sich ein Großteil des in der Nahrungskette verbrauchten Phosphors an, so dass diese ein optimaler Ausgangsstoff für die Rückgewinnung von Phosphor ist.
In Hamburg wird derzeit das neu entwickelte REMONDIS TetraPhos®-Verfahren zur Rückgewinnung von Phosphor aus der Hamburger Klärschlammasche umgesetzt.

Carsten Spohn, ITAD – Interessengemeinschaft der thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland e. V., Düsseldorf

Vortragsthema: Die getrennte Bioabfallsammlung und -verwertung aus Sicht
der thermischen Abfallverwertung

Im Kontext der nach Kreislaufwirtschaftsgesetz § 11 ab 2015 verpflichtend eingeführten Getrennthaltung von Bioabfällen werden der ökologische Nutzen aber auch die Kosten einer flächendeckend neu einzuführenden Biotonne kritisch betrachtet.
Insbesondere bei regional etablierten Abfallwirtschaftssystemen, die z. B. eine Kombination verschiedener Abfallbehandlungsverfahren für Siedlungsabfälle in Form von energetischer Verwertung von Restabfällen in einer thermischen Abfallbehandlungsanlage und Kompostierung getrennt gesammelter Bioabfälle beinhalten, stellt sich die Frage nach einer sachlichen Bewertung des zu erzielenden Mehrwerts durch die verpflichtende flächendeckende Sammlung von Bioabfällen – auch vor dem Hintergrund der Auswirkungen auf den vorhandenen Anlagenpark.

Dr. Hubert Seier, DSC GmbH, Selm

Vortragsthema: Bio in der Sackgasse? – Ganz sicher nicht! Bio – und Grüngutsammlung ohne Wenn und Aber!

Die Verwertung von Bio- und Grüngut ist das Paradebeispiel erfolgreichen Recyclings! Von der größten Wertstofffraktion werden über 9 Millionen Mg/a erfasst und verwertet. In 2014 wurde erstmals die 10-Millionen-Grenze gerissen, aber das Potenzial liegt noch deutlich höher. Ab 2015 fordert der Gesetzgeber zudem die Trennpflicht im Kreislaufwirtschaftsgesetz. Anhand der „Biotonnenchronologie“ werden die Vorbehalte durch Themen wie Störund Schadstoffe, Dioxine im Kompost, Gesundheitsgefahren, Gleiches zu Gleichem oder Düngerecht vorgestellt und bewertet. Die qualifizierte Wertstofferfassung wird von wahren Experten aber nicht mehr angezweifelt und die klassische MVA ist für Bio- und Grüngut ein Irrweg. Die getrennte Erfassung hat sich ohne Wenn und Aber etabliert und ist für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft nicht mehr wegzudenken. Ressourcenschonung, Klimaschutz und echte Kreislaufwirtschaft sind unschlagbare Argumente für das stoffliche Verwerten.

Rüdiger Oetjen-Dehne, uec Berlin – Oetjen-Dehne & Partner Umwelt- und Energie-Consult GmbH

Vortragsthema: Intensivierung der Bioabfallsammlung

Ein Jahr nach Inkrafttreten der Pflicht zur Getrenntsammlung von Bioabfällen lässt sich konstatieren, dass die Biotonne in Deutschland – trotz zeitlicher Verzögerung – auf Erfolgskurs ist. Gegenüber dem Jahr 2012 können künftig weitere 10 Mio. Einwohner ihre Lebensmittel- und Speiseabfälle getrennt entsorgen. Allerdings führen Wirtschaftlichkeitsvorbehalte dazu, dass 12 Landkreise die Biotonne im Bringsystem einführen werden. In den kommenden Jahren wird es darum gehen, letzte Lücken im Netz des flächendeckenden Biotonnenangebots zu schließen, bestehende Sammelsysteme zu optimieren und die ökologisch hochwertige Verwertung weiter auszubauen. Nach Darlegung der jüngsten Entwicklungen und einem Ausblick auf die zu erwartenden Mengen bei konsequentem Ausbau der Getrenntsammlung werden die notwendigen Maßnahmen für eine hochwertige Behandlung mit der gelebten Praxis und den gesetzlichen Absichten abgeglichen.

Dr. Anke Boisch, Stadtreinigung Hamburg

Vortragsthema: Bioabfall in der Praxis – von der Sammlung bis zur Verwertung

Die Bioabfallsammlung und -behandlung wurde in 1994 in Hamburg begonnen und seit 1995 werden die erfassten Bioabfälle überwiegend in der SRH eigenen Anlage zu Kompost verarbeitet.
Die Qualität der Bioabfälle ist seit Einführung der Sammlung gut, dieses ist aber auf Öffentlichkeitsarbeit und die Struktur der Sammelgebiete zurückzuführen. In 2011 wurde die Wertstoffverordnung in Kraft gesetzt, die auch die Umsetzung der flächendeckenden Einführung der Bioabfallsammlung vorschreibt.
Mit der Inbetriebnahme der Trockenfermentationsanlage am SRH eigenen Standort in 2011 wird neben Kompost auch Biogas erzeugt. Das Biogas wird aufbereitet und in das regionale Erdgasnetz eingespeist. Der Kompost in gleichbleibend hoher Qualität findet Absatz vom Hobbygärtner über den Garten- und Landschaftsbau sowie der Substratherstellung bis zur Landwirtschaft und Rekultivierung.

Dr. Claus-Gerhard Bergs, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Bonn

Vortragsthema: Bioabfälle im Spannungsfeld der Pflichten zur Getrennterfassung und neuer Restriktionen im Düngerecht

In das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG vom 29. Februar 2012) wurde durch § 11 Absatz 1 die Bestimmung eingefügt, dass Bioabfälle spätestens ab 1. 1. 2015 getrennt zu erfassen sind. Implizit wird damit die Erwartung verbunden, dass diese auch einer hierarchiekonformen (stofflichen) Verwertung und möglichst der Kaskadennutzung zugeführt werden. Nach Auffassung des Bundesumweltministeriums sind die Vorgaben des KrWG stringent umzusetzen. Erfreulicherweise wird diese Einschätzung von einer breiten Mehrheit der Länder und Kommunen geteilt. Neben den Initiativen zur Steigerung der (flächendeckenden) Getrennterfassung von Bioabfällen wurden in den vergangenen Jahren Initiativen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen
intensiviert. Für eine neuerliche Novelle der Bioabfallverordnung hat das Bundesumweltministerium Eckwerte erstellt und mit Ländern und Betroffenen besprochen. Auch bei Bioabfällen wird die neue Düngeverordnung zu zusätzlichen Auflagen führen, ohne dass es zu nennenswerten Beeinträchtigungen der Verwertung behandelter Bioabfälle kommen dürfte.

Jonas Törnblom, Envac Group, Stockholm

Vortragsthema: Sack im Behälter – das Optibagsystem – Erfahrungen aus Skandinavien

Die getrennte Erfassung von mehreren Abfallströmen ist mit hohem wirtschaftlichen Aufwand verbunden. Für die Haushalte bedeutet die getrennte Sammlung, dass verschiedene Abfallfraktionen über mehrere Tage, bzw. Wochen zwischengelagert werden müssen. Die getrennte Lagerung von organischen Abfällen (Essensresten) kann auch zu Geruchs- und Hygieneproblemen führen.
In Skandinavien ist eine getrennte, aber gesammelte Lagerung und Abholung mehrerer Abfallfraktionen seit Jahrzenten gebräuchlich. Das sog. Optibagsystem basiert auf dem Prinzip Sack im Behälter. Abfallfraktionen werden in gefärbten Tüten im Haushalt vorsortiert. Die Tüten werden gemischt im Abfallbehälter zwischengelagert. Die Müllabfuhr holt den Behälter ab und bringt den gemischten Inhalt zu einer Sortieranlage, wo die Tüten optisch getrennt und geöffnet werden. Mit dem Optibagsystem kann eine unbegrenzte Anzahl Fraktionen gemischt gehandhabt werden. Der Vortrag berichtet von Erfahrungen aus dem Nordischen Raum.

Sabine Rautenberg, SAGA GWG, Hamburg

Vortragsthema: Müllschleusen – Praxis und Erfahrungen in der Wohnungswirtschaft

Kauffrau in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft und Diplom-Kauffrau, seit über 20 Jahren in verschiedenen Funktionen (Bestandsbewirtschaftung, Rechnungswesen, WEGVerwaltung, Beratung) in der Hamburger Wohnungswirtschaft, stellvertretende Abteilungsleiterin für Betriebskostenabrechnung und Mietkalkulation bei SAGA GWG, Hamburg. Ressourcenschonung aus ökologischer Sicht, Wirtschaftlichkeitsgebot als Prinzip im Rahmen der treuhänderischen Funktion der Vermieterin, Kostendegression als betriebswirtschaftliche Maxime: Vieles spricht für einen verantwortungsvollen effektiven Umgang mit den kalten und warmen Betriebskosten, die von Mieterinnen und Mietern zu tragen sind. Was ist im Bereich Kosten der Abfallentsorgung möglich und sinnvoll, wie könnte der Einsatz von Müllschleusen dazu beitragen? Der jahrelange Einsatz in der wohnungswirtschaftlichen Praxis ermöglicht den Blick auf das sinnvoll Machbare.

Sven Winterberg, Stadtreinigung Hamburg

Vortragsthema: Quotenzauber – viele Wege zur Wunschquote

Das Recycling-Engagement, die Leistungsfähigkeit und der Erfolg kommunaler Unternehmen in der Abfallwirtschaft werden gerne an Quoten gemessen. Diese Quoten scheinen eine objektive Größe zu sein, anhand derer sich nicht nur die Entwicklung der Abfallströme im Lauf der Zeit, sondern auch die jeweiligen Fortschritte vergleichen lassen. Wie vergleichbar aber sind diese Zahlen wirklich, welche externen Faktoren beeinflussen sie?
Recyclingquoten beziehen sich auf Mengen, die einem Recyclingverfahren zugeführt werden. Was ist mit der abfallwirtschaftlich höherwertigen Wiederverwendungsmenge? Sind die Zuführungsmengen zu Recyclingverfahren (Glas, Papier, Kunststoffe) überhaupt vergleichbar?
Recycling erzeugt Sekundärrohstoffe. Was ist mit Sekundärrohstoffen aus der Müllverbrennung (Metalle, Gips, Salzsäure, Schlacke)? Sucht der Markt Sekundärrohstoffe? Und ist die Erzeugung qualitativ niederwertiger Sekundärrohstoffe wie Mischkunststoff sinnvoll?

Dr. Anke Butscher, Anke Butscher Consult, Hamburg

Moderatorin

Als promovierte Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin berät Anke Butscher, nach langjähriger Koordinations- und Geschäftsführungstätigkeit für national und international ausgerichtete NGOs und Kampagnen, mittelständische Unternehmen, Ministerien/Behörden und Zivilgesellschaft in den Bereichen soziale und umweltgerechte Unternehmensführung (CSR), Korruptionsprävention und International Business Development. Zudem konzipiert sie Stakeholder Dialoge und führt diese durch, moderiert Strategie, Planung und Konzept. Als Dozentin lehrt sie zu international & intercultural project management und empirischer Sozialforschung. Darüber hinaus schreibt sie als freie Journalistin.